Die kranken Gefangenen müssen freigelassen werden
Nachdem die Nachricht über die Freilassung Güler's in Antalya einlangte, hielten dort am 6. November am Kislahan-Platz revolutionäre und demokratische Massenorganisationen eine Presseerklärung ab.
Bei der Aktion wurde hervorgestrichen, dass dieser Sieg durch entschlossenen Widerstand erreicht und der Kampf bis zur Freilassung der kranken Gefangenen sowie bis zur Beendigung der Isolation fortgesetzt werden wird.
An der Presseerklärung beteiligten sich die Organisationen Volksfront, Sozialistische Partei, DHF, Plattform der KESK-Zweigstellen in Antalya, DIP Initiative, ESP und TKP. Es wurden die Parolen "Die revolutionären Gefangenen sind unsere Würde", "Die kranken Gefangenen müssen freigelassen werden", "Hebt die Isolation auf, beendet das Sterben" und "Es lebe die revolutionäre Solidarität" gerufen. Weiters wurde ein Transparent mit der Aufschrift "Wir haben die Freiheit für Güler Zere erkämpft, die kranken Gefangenen müssen freigelassen werden" geöffnet und die ProtestteilnehmerInnen hielten ein Schild mit einer Namensliste der kranken Gefangenen.
In der von Yurdagül Gümüs verlesenen Presseerklärung wurde der Verlauf der Geschehnisse bis zur Freilassung von Güler erörtert. Weiter hieß es in der Erklärung: "Ein Staat hat die Krankheit eines Menschen, der sich in seinen Händen befindet, rechtzeitig erkannt, diesen jedoch nicht freigelassen. Er hat den Hass gegenüber den Revolutionären, die für ihr Volk kämpfen darin preisgegeben, indem er Güler Zere solange festhielt, bis ihre Krankheit nicht mehr zu heilen ist. Monatelang haben wir Menschen und Institutionen sehr unterschiedlicher Auffassungen und Kreise uns rund um menschliche Werte vereint und die Freilassung Güler Zere's und der kranken Gefangenen gefordert. Ob vor dem Balcali Krankenhaus oder vor dem gerichtsmedizinischen Institut, ob auf den Plätzen und Straßen verschiedener Städte, haben wir dieses Massaker enthüllt. Denn sogar während wir auf die Situation von Güler Zere aufmerksam machten, wurden 3 Särge aus den Gefängnissen getragen.
Die Realität von Güler Zere ist die Realität der staatlichen Gefängnisse. Weil Güler Zere wegen einer einfachen Schwellung am Gaumen nicht rechtzeitig zum Arzt gebracht und behandelt wurde, hat sich die Krankheit zum Krebs entwickelt.
Trotz des Berichts des medizinischen Fakultätskrankenhauses in Adana, in dem festgehalten wurde, dass eine Krebskrankheit vorliegt und dass die Krankheit im Gefängnis nicht behandelt werden könne, entschied die gerichtsmedizinische Institution nach einer zehnminütigen Untersuchung, dass eine Behandlung im Gefängnis möglich sei.
Während die Kampagne zur Freilassung Güler Zere's und der kranken Gefangenen andauerte, mussten weitere Tote in den Gefängnissen beklagt werden. In der Folge verstarben Mustafa Elelci, Ismet Ablak, Gurbet Mete, Hasan Kert, Besir Özer, Recep Celik, Ali Cektin, Mustafa Demir, Yilmaz Keskin und im vergangenen Monat Ekrem Bardakci. Die Verantwortung für ihren Tod tragen die gerichtsmedizinische Institution und die AKP-Regierung.
Die Isolationspraktiken und Repressionsmaßnahmen in den F-Typ Gefängnissen sind eine Angriffspolitik gegen alle Menschen in den Gefängnissen, um diese zu unterdrücken, einzuschüchtern und deren Gesundheit zu schädigen. Mit dieser Politik wird eine stille Vernichtung in den Gefängnissen durchgeführt. Wir konnten Güler Zere und 3 kranke Gefangene vor ihrem Tod aus den Händen der AKP-Regierung befreien. Die anderen kranken Gefangenen und Verurteilten müssen unverzüglich freigelassen und die Isolation beendet werden.
Güler Zere wurde nicht vom Staat freigelassen. Wir, als unterdrücktes, ausgebeutetes Volk, das sein Gewissen nicht dem System ausgeliefert hat, haben zusammen mit Presse und Fersehsendern, durch unsere menschlichen Werte die Freiheit für Güler Zere erkämpft. Wir haben Güler Zere durch einen entschlossenen, monatelangen Kampf aus ihren Händen befreit, Hitze und Regen widerstanden. Der Kampf für die Freiheit von Güler Zere hat ein weiteres Mal gezeigt, dass uns der gemeinsame, entschlossene Widerstand gegen die Ausbeutung, Angriffe und Massaker zum Sieg führt.
Wir haben immer noch Dutzende kranke Gefangene. Unser Kampf wird solange andauern, bis sie freigelassen werden und die Isolation beendet ist."
Die Presseerklärung fand großes Interesse bei der Bevölkerung und es beteiligten sich 70 Personen daran. Die Aktion wurde mit Parolenrufen und Applaus beendet.